Ein sehr persönliches Datum. Ein Datum das mein Leben von Grund auf verändert hat. Ein Datum, dass mich als Mensch von diesem Zeitpunkt an, sehr verändert hat. Ein Tag an dem ich soviel Schmerz verspürt habe, wie nie wieder danach. Ein Datum, an dem eine Freundin umgebracht wurde. Ein Mensch der mir so oft geholfen hat und den ich wahnsinnig geliebt habe.

 

Ich habe lange gebraucht um das schreiben zu können, aber ich finde es nur fair. Fair gegenüber den unzähligen Menschen, die ihre schmerzvollsten Erfahrungen, ihre größten Ängste, ihre Zweifel und ihre unglaubliche Verwundbarkeit und vieles mehr mit mir geteilt haben.

 

All diese Menschen haben irrsinnig viel Mut gezeigt. Ein Mut den ich nun erwidern möchte.

Vor 10 Jahren, war ich ein Mensch, der wohl mehr Passagier als Pilot war. Ich hatte die HTL gemacht weil es vernünftig war. Ich hatte einen Job der gut bezahlt war, aber mich unglücklich machte. Ich war in einer Beziehung mit einem wundervollen Menschen – abgesehen davon, dass wir unterschiedliche Vorstellungen von einer Beziehung hatten. Ich war ein Mensch, der sich selbst einredete, dass ich nicht mehr erwarten brauchte. So sei eben das Leben. Wer kann schon erwarten wirklich glücklich zu sein? Für mich selbst habe ich das damals auf alle Fälle nicht gesehen…

Dann war es der 14.06.2009 und ich bekam einen Anruf der die Welt still stehen ließ. Ich hörte von dem Tod meiner Freundin und war in einem absoluten Schockzustand. Dieser Tag veränderte mein Leben, denn ich habe damals verstanden, wie schnell das Leben zu Ende sein kann. Sollte es dann nicht ein Leben gewesen sein, dass in vollen Zügen gelebt wurde? Mit den Menschen die man liebt, mit enorm viel Selbstliebe, mit hoher Selbstkenntnis und damit verbracht wurde, dass zu tun was man liebt? Meine Antwort ist JA.

Damals war dass natürlich nicht so leicht. Es dauerte viele Monate aber dann kam der Tag, an dem ich beschloss nicht mehr so weiterzumachen. Ich wollte mich meiner Trauer nicht länger hingeben. Ich war unglücklich. Ich mochte mich selbst nicht wirklich. Ich dachte ich müsste jemand sein, der ich schlichtweg nicht war. Denn es gab ja diese Erwartungen. Damals dachte ich noch diese Erwartungen kämen von außen….

 

Ich traf die Entscheidung zu kündigen und zu studieren. Ich wusste ich wollte anderen etwas beibringen. Ich wusste ich wollte unterrichten. Ich wusste, dass es einen besseren Weg geben musste zu führen und den wollte ich in die Welt tragen. Ich war absolut davon überzeugt, dass es einen besseren Weg geben musste, zu arbeiten. Ich wollte Erfüllung, ich wollte Zufriedenheit, ich wollte Wertschätzung und ja ich wollte auch Glück. Im Beruf.

Meine damalige Beziehung hat diese Zeit nicht überstanden. Es zeigte sich damals auch, dass ich so viele Mauern um mich herum hatte, dass ich wohl noch nie wirklich geliebt hatte. Liebe bedeutete für mich Schwäche, schlechte Entscheidungen zu treffen, sich selbst zu verlieren, Verwundbar zu sein und natürlich Schmerz. All das wollte ich nicht. Ich traf die Entscheidung, dass die Liebe etwas ist, für dass ich nicht bereit war.

Das zeigte sich auch als ich damals meinen späteren Ehemann kennenlernen sollte. Natürlich hab ich ihn vergrault. Später nannte er mich mal Eiskönigin. Er hatte recht. Zum Glück hab ich früh genug eingesehen, dass die Liebe es doch Wert ist, jemanden an sich ranzulassen, auch wenn es ein Risiko ist. Und wirklich viel Mut erforderte.

Mut. Den brauchte ich über die Jahre häufig. Ich kann die Anzahl an Komfortzonen aus denen ich mich gepusht habe, gar nicht zählen.

Generelle sollte mich dieses Thema, meine Mauern fallen zu lassen noch sehr, sehr viele Jahre beschäftigen. Ich hatte einfach zu viele schlechte Erfahrungen in meinem Leben gemacht und es war wohl das Härteste das ich lernen musste: Niemand würde sich mir gegenüber öffnen, wenn ich diese Mauern um mich herum aufrecht erhalten würde.

Diese Erkenntnis kam durch meine wunderbare Begleiterin, die mich unglaublich weit gebracht hat. Damals war sie für mich der letzte Puzzlestein, einzusehen dass ich auch diesen Schritt gehen musste, wenn ich meine Leidenschaft wirklich gut ausüben wollte. Dafür werde ich ihr ewig dankbar sein.

Mein Weg war steinig. Ich bin sehr oft hingefallen und es gab viele Hürden die ich meistern musste. Aber das schöne war, ich wusste dass es die Anstrengung wert sein würde. Ich wollte dieses alte Leben nicht mehr. Ich wollte dieses Ich nicht mehr. Ich fühlte mich wie ein Tiger: eine unbändige Kraft die hinter Gitter eingesperrt ist. Oft hatte ich auf unbeschreibliche Wut in mir. Ich hatte aber auch sehr viel Angst. Sehr oft.

 

Ich weiß heute, dass die Erwartungen wie ich zu sein habe von niemand anderen als von mir selbst kamen. Ich habe mich selbst nicht akzeptiert. Ich dachte ich bin zu viel, zu stark, zu fordernd, zu unbändig, zu …… falsch.

All dass habe ich aber erst nach dem Tod meiner Freundin realisiert. Sie hat mir auch nach ihrem Tod noch geholfen, der Mensch zu werden, der ich eigentlich sein wollte.

Heute weiß ich, dass ich absolut richtig bin. Ich liebe mich selbst. Ich weiß was ich will. Ich weiß wer ich bin. Ich bin glücklich. Ein Glück, dass es Wert ist dafür an sich selbst zu arbeiten. Nicht umsonst ist für mich Selbstkenntnis der absolute Schlüssel für alles.

 

Ich bin wahnsinnig dankbar, dass es soviele Menschen gibt, die diesen Weg mit mir gegangen sind. Philipp war so oft mein Rettungsanker, dass ich ohne ihn wohl ertrunken wäre. Lea war für mich der Grund, soviele Ängste zu überwinden, sie ist wie ein Leuchtfeuer das alle Zweifel verschwinden lässt. Ich bin auch dankbar für alle Menschen die heute keine Teil mehr meines Lebens sind, denn sie waren für diesen weg extrem wichtig.

Ich bedanke mich auch, bei alle den Menschen die den Mut haben an sich selbst zu arbeiten. Die den Mut haben mit mir zu arbeiten. Es tut weh. Dass weiß ich. Ihr wisst nun ein klein wenig davon, wie weh es mir getan hat.

Ich habe es geschafft. Darum weiß ich dass es jeder schaffen kann.